Ziel-Blutdruckwerte der europäischen Gesellschaft für Kardiologie

08.08.2024

1. Einteilung des Bluthochdrucks

Im August 2024 hat die europäische Gesellschaft für Kardiologie eine neue Einteilung der Blutdruckwerte herausgegebn und einen neuen Zielwert definiert.

  • Optimaler Blutdruck: Unter 120/70 mmHg. Super, alles im grünen Bereich!
  • Erhöhter Blutdruck Zwischen 120-139/70-89 mmHg. Diese Kategorie wurde 2024 in der europäischen Leitlinie neu eingeführt, damit mehr Menschen erkannt werden, die ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben (Unten mehr zu den Empfehlungen für Lebensstil und Medikation in dieser Kategorie). Wenn dein Blutdruck in dieser Kategorie liegt, solltest du ab und zu messen, und deinen Blutdruck im Blick behalten.
  • Hypertonie Grad 1: 140-159/90-94 mmHg. Das ist zu hoch. Sprich mit deinem Hausarzt!
  • Hypertonie Grad 2: 160-179/95-100 mmHg. Hier ist Handeln angesagt – und zwar flott! Zügig zum Hausarzt!
  • Hypertonie Grad 3: Über 180/110 mmHg. Jetzt besser gleich den Arzt aufsuchen!

2. Zielwerte: Wo soll's hingehen?

  • Für Menschen die Blutdruckmedikamente nehmen, lautet der Zielwert 120-129mmHg systolisch und unter 80mmHg diastolisch.
  • Soll der wirklich so tief sein? Ja! ich bin überzeugt, das diese Wert für unsere Gesundheit wichtig ist!
  • Stiller Killer nenne ich den Hypertonus, weil man den hohen Blutdruck nicht bemerkt. "Ich fühle mich sauwohl!" sagen Männer, deren Herz sichtbar unter Bluthochdruck leidet zu mir. Ich sehe oft deutlich veränderte Hypertonie-Herzen bei Menschen, die sich gesund fühlen.
  • Bei Hypertonie (Über 140/90mmHg) soll die medikamentöse Therapie sofort eingeleitet werden.
  • Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten zwischen 120-139/70-89 mmHg sollst du "vielleicht" Medikamente einnehmen. Da zu gibt es eine komplizierte Empfehlung. Jetzt soll dein Hausarzt zusätzliche Erkrankungen und Risikofaktoren berücksichtigen.

Bei leicht erhöhtem Blutdruck, also Werten zwischen 120-139/70-89 mmHg wird folgende Risiko-Abschätzung in 4 Schritten für die Therapieentscheidung empfohlen wird. Du kannst das nur überfliegen, dein Arzt wird das alles berücksichtigen in seiner Beratung.

  • Schritt 1: Liegen Risiko-erhöhende Krankheiten vor?
    Wenn du älter als 60 Jahre bist, oder herzkrank bist, oder ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bekannt ist, oder eine familiäre Fettstoffwechselstörung (Hypercholseterinämie), sollen zwar noch zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen über 3 Monate erfolgen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, so wird bei einem Blutdruck über 130/80 mmHg blutdrucksenkende Tabletten empfohlen.
  • Schritt 2: Wie hoch ist dein statistisches 10-Jahresrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall?
    Liegen keine Risiko-erhöhenden Krankheiten vor, so wird das 10-Jahresrisiko abgeschätzt mit Hilfe der Risikovorhersagemodelle SCORE2 (Alter 40-69 Jahre) oder SCORE-OP (Alter ≥ 70 Jahre). Hier wird nach dem Alter, Geschlecht, Rauchverhalten und den Cholesterinwerten gefragt. Bei einem geringen Risiko < 5 % werden nicht-medikamentöse Maßnahmen empfohlen, während bei einem Risiko ≥ 10 % eine Therapie mit Blutdrucktabletten eingeleitet werden soll. Bei einem Risiko zwischen 5-10 % sind weitere modifizierende Risikofaktoren zu berücksichtigen.
  • Schritt 3: Liegen weitere, individuelle Risikofaktoren vor?
    Ein höheres Risiko haben spezielle Bevölkerungsgruppen (Besonders Menschen aus Africa, hauptsächlich Subsahara-Africa, und ihre Nachkommen haben ein erhöhtes Risiko). Aber auch, Autoimmunerkrankungen oder HIV tragen zu einem höhern Risiko bei.. Darüber hinaus gibt es einige Risikofaktoren bei Frauen (z.B. wiederholte Frühgeburten, vorherige Schwangerschaftshypertonie oder -Diabetes), die für eine medikamentöse Therapie bei Personen mit einem mittleren Risiko zwischen 5-10 % sprechen.
  • Schritt 4: Sind weitere Untersuchungen notwendig?
    Bei Unklarheit oder in speziellen Fällen kann es sinnvoll sein, weitere Untersuchungen und Scores in die Therapieentscheidung miteinzubeziehen, wie u.a. der koronare Verkalkungsgrad (CAC-Score) oder Messungen der arteriellen Gefäßsteifigkeit.m mittleren Risiko zwischen 5-10 % sprechen.

Für Menschen die Blutdruckmedikamente nehmen und die wegen erhöhtem Blutdruck überwacht werden lautet der Zielwert 120-129mmHg systolisch.

Bei manchen Patienten, insbesondere bei älteren Menschen oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen, können auch höhere Zielwerte angebracht sein. Dein Arzt hilft dir, die richtigen Werte für dich zu bestimmen.