Stolperschläge (Extrasystolie)
Herzstolpern, diese "Hoppla-Momente" des Herzens
Vielleicht kennst du das:
Plötzlich stolpert dein Herz.
Oder es fühlt sich füreinen Moment fühlt es sich an, als würde es aussetzen.
Manche spüren den Schlag bis in den Hals.
Und sofort ist er da, dieser Gedanke:
"Ist das gefährlich?"
Diese sogenannten Extraschläge können sich sehr ungewohnt anfühlen.
Viele Frauen erschrecken sich dabei – und das ist völlig verständlich.
Die gute Nachricht ist:
In den meisten Fällen sind diese Stolperer harmlos.
Trotzdem ist es wichtig, sie richtig einzuordnen.
In diesem Artikel erkläre ich dir:
- was hinter diesen Herzstolperern steckt
- warum sie oft gerade in ruhigen Momenten auftreten
- und wann du sie ärztlich abklären lassen solltest
Damit du weißt, was in deinem Körper passiert –
und dich nicht unnötig beunruhigst.

Was passiert, wenn dein Herz stolpert?
Dein Herz schlägt normalerweise in einem ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus.
Schlag für Schlag.
Ganz zuverlässig.
Manchmal kommt es aber zu einem zusätzlichen Herzschlag.
Ein kleiner "Zwischenschlag", der sich dazwischen schiebt.
Genau das nennt man Extrasystole.
Warum fühlt sich das so komisch an?
Viele Frauen beschreiben es so:
- ein kurzes Stolpern
- ein kräftiger Schlag
- ein "Aussetzen" für einen Moment
- oder ein Pochen bis in den Hals
Warum tritt das oft abends auf?
Vielleicht ist dir aufgefallen,
dass das Herzstolpern vor allem in ruhigen Momenten kommt:
- abends auf dem Sofa
- im Bett vor dem Einschlafen
- oder wenn du zur Ruhe kommst
Das ist typisch für harmlose Extraschläge.
Und noch etwas ist wichtig
Auch wenn sich diese Stolperer unangenehm anfühlen:
In den meisten Fällen fängt sich dein Herz sofort wieder.
Es findet ganz von selbst zurück in seinen normalen Rhythmus.
Hat jeder solche Stolperschläge?
Die kurze Antwort ist:
Ja.
Fast jeder Mensch hat gelegentlich Extraschläge.
In vielen Langzeit-EKGs sehen wir solche zusätzlichen Herzschläge –
auch bei völlig gesunden Menschen.
Oft werden sie gar nicht bemerkt.
Warum spüren manche sie – und andere nicht?
Hier sind wir Menschen sehr unterschiedlich.
Manche nehmen ihren Herzschlag sehr genau wahr.
Andere bemerken selbst häufige Extraschläge überhaupt nicht.
Beides ist völlig normal.
Viele Frauen, die zu mir kommen, sagen:
"Ich spüre jeden einzelnen Schlag."
Und das kann sehr beunruhigend sein.
Ein wichtiger Gedanke
Ein feines Körpergefühl ist nichts Schlechtes.
Es bedeutet oft,
dass du Veränderungen früh wahrnimmst.
Gleichzeitig kann es aber auch dazu führen,
dass du dich schneller verunsicherst.
Deshalb ist es so wichtig,
zu verstehen, was hinter diesen Empfindungen steckt.
Denn:
Was du spürst, ist real.
Aber es ist in den meisten Fällen nicht gefährlich.
Welche Arten von Extraschlägen gibt es?
Extraschläge können an unterschiedlichen Stellen im Herzen entstehen.
Das klingt komplizierter, als es ist.
Zwei Formen sind wichtig
Extraschläge aus dem Vorhof
Diese sind sehr häufig – und praktisch immer harmlos.
Extraschläge aus der Herzkammer
Auch sie sind in den meisten Fällen harmlos,
fühlen sich aber oft etwas stärker an.
Viele Frauen beschreiben,
dass sie den Schlag plötzlich im Hals oder Oberbauch spüren.
Sind Extrasystolen gefährlich?
Die Frage stellen sich fast alle, die ihr Herz stolpern spüren.
Und ich sage dir ganz klar:
In den allermeisten Fällen sind Extrasystolen harmlos.
Einzelne Stolperschläge am Tag sind völlig normal.
Viele Menschen haben sie – oft sogar, ohne es zu merken.
Warum fühlen sie sich dann so beunruhigend an?
Weil sie plötzlich kommen.
Und weil sie sich anders anfühlen als der normale Herzschlag.
Unser Herz ist etwas sehr Zentrales.
Wenn sich dort etwas "ungewohnt" anfühlt, reagiert unser Kopf sofort.
Das ist ganz menschlich.
Wann solltest du genauer hinschauen?
Auch wenn Extrasystolen meist harmlos sind,
gibt es Situationen, in denen du sie abklären lassen solltest:
- wenn sie sehr häufig auftreten
- wenn du dich dabei schwindelig oder schwach fühlst
- wenn Luftnot oder Druck auf der Brust dazukommt
- oder wenn dich das Herzstolpern stark verunsichert
Dann ist es sinnvoll, einmal genauer hinzuschauen.
Was passiert beim Arzt?
Wenn dich die Stolperschläge verunsichern
oder häufiger auftreten,
ist es sinnvoll, sie einmal abklären zu lassen.
Das Gespräch
Am Anfang steht immer ein Gespräch.
Ich frage dich zum Beispiel:
- Wann tritt das Herzstolpern auf?
- Wie oft kommt es vor?
- Spürst du dabei Schwindel oder Schwäche?
Oft lässt sich schon hier gut einschätzen,
ob etwas Harmloses dahintersteckt.
EKG und Langzeit-EKG
Ein Ruhe-EKG zeigt, wie dein Herz im Moment schlägt.
Häufig setzen wir zusätzlich ein Langzeit-EKG ein.
Dabei wird dein Herz über 24 Stunden aufgezeichnet.
So sehen wir, wie oft die Extraschläge auftreten
und in welchen Situationen.
Weitere Untersuchungen
Je nach Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel:
- eine Blutuntersuchung
- ein Herzultraschall
Damit prüfen wir, ob dein Herz insgesamt gesund ist.
Wann sind Stolperschläge nicht harmlos?
Du solltest die Stolperschläge abklären lassen, wenn:
- sie sehr häufig auftreten
- sie über längere Zeit zunehmen
- du dich dabei schwindelig oder schwach fühlst
- Luftnot oder Druck auf der Brust dazukommt
- oder du einfach ein ungutes Gefühl hast
Was kann dahinterstecken?
In seltenen Fällen können Extraschläge ein Hinweis darauf sein,
dass das Herz genauer untersucht werden sollte.
Zum Beispiel:
- bei Durchblutungsstörungen
- nach Infekten
- oder bei anderen Herzveränderungen
Ein wichtiger Gedanke
Manchmal treten Extraschläge auch vorübergehend gehäuft auf –
zum Beispiel bei Stress, Infekten oder hormonellen Veränderungen.
Oft verschwinden sie dann von selbst wieder.
Wichtig für dich
Du musst nicht bei jedem Stolpern sofort reagieren.
Aber:
Wenn sich etwas verändert
oder sich für dich nicht richtig anfühlt,
lass es einmal abklären.
Das gibt dir Sicherheit.
Was kannst du selbst tun?
1. Ruhe reinbringen
Extraschläge treten häufig auf,
wenn dein Körper unter Spannung steht.
Gönn dir bewusst kleine Pausen:
- ein Spaziergang
- ein paar ruhige Atemzüge
- ein Moment nur für dich
2. Auslöser erkennen
Achte einmal darauf,
wann dein Herz besonders stolpert.
Häufige Auslöser sind:
- Stress
- wenig Schlaf
- Kaffee oder Alkohol
- üppige Mahlzeiten
Oft hilft es schon,
hier etwas bewusster zu werden.
3. Gut für deinen Körper sorgen
Ein ausgeglichener Körper reagiert oft ruhiger.
Das bedeutet:
- ausreichend schlafen
- regelmäßig bewegen
- ausgewogen essen
4. Gelassener damit umgehen
Das ist oft der wichtigste Punkt.
Je mehr du dich auf das Herz konzentrierst,
desto stärker nimmst du die Stolperer wahr.
Wenn du weißt, dass sie harmlos sind,
darfst du lernen, sie einfach ziehen zu lassen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
In den meisten Fällen brauchst du keine Behandlung.
Die meisten Extraschläge sind harmlos
und haben keinen Einfluss auf deine Lebenserwartung.
Wann werden Medikamente eingesetzt?
Nur wenn die Stolperschläge sehr häufig sind
oder dich stark belasten.
Dann können sogenannte Betablocker helfen,
den Herzschlag etwas zu beruhigen.
Oft reichen schon sehr niedrige Dosierungen.
Gibt es auch andere Möglichkeiten?
In seltenen Fällen,
wenn die Extraschläge sehr häufig auftreten
und dauerhaft stören,
kann ein Eingriff sinnvoll sein,
bei dem die Ursache gezielt behandelt wird.
Das ist jedoch die Ausnahme –
und wird nur nach sorgfältiger Abklärung entschieden.
Zum Schluss
Dein Herz darf auch mal aus dem Takt geraten
Herzstolpern fühlt sich ungewohnt an.
Manchmal auch beunruhigend.
Und trotzdem gilt:
Dein Herz ist kein Uhrwerk,
das immer exakt gleich schlagen muss.
Es reagiert auf dein Leben.
Auf Stress.
Auf Ruhe.
Auf Veränderungen.
Diese kleinen "Hoppla-Momente"
sind oft nichts weiter
als Ausdruck dieser Lebendigkeit.
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Extrasystolen: die überraschenden "Hoppla-Momente" des Herzens
Kennst du das Gefühl, wenn das Herz plötzlich irgendwie stolpert oder einen seltsamen Schlag macht? Dieses Phänomen nennt man Extrasystolen, und sie können einen wirklich erschrecken – auch wenn sie meistens harmlos sind.
Lass uns gemeinsam anschauen, was bei den Stolperschlägen passiert.
Was passiert, wenn dein Herz stolpert?
Stell dir vor, dein Herz ist ein klassisches Tangopaar – die Dame mit rotem Lippenstift, Blume im Haar und geschlitztem Kleid, der Herr mit Einstecktuch und finsterem Blick. Sie schreiten über die Tanzfläche, immer schön im Takt, synchron und im Fluss. Doch manchmal tritt ein kleiner Stolperer auf, ein zusätzlicher, improvisierter Schritt, der den Tanz erst richtig spannend macht.
So ähnlich ist es mit den Extrasystolen: Ein zusätzlicher Herzschlag schleicht sich ein und bringt das ganze System kurz durcheinander.
Hast du auch schon einmal das Gefühl gehabt, dass das Herz plötzlich "stolpert" oder kurz innehält, als müsste es sich erst überlegen, ob es weitermachen soll?
Manche spüren es als überraschendes, starkes "Klopfen" im Hals oder Oberbauch – als müsste man kurz einatmen oder könnte nicht weiteratmen. Manchmal fühlt es sich an wie ein kurzes "Oh je, hat das Herz gerade eine Pause gemacht?"
Diese Extraschläge melden sich oft abends, wenn du zur Ruhe kommst, vor dem Einschlafen oder auch beim Autofahren. Obwohl es sich erstmal erschreckend anfühlt, fängt sich das Herz meistens wieder schnell – wie die Tango-Profis auf dem Parkett. Dein Herz tanzt dann brav im Takt weiter.
Sie fühlen sich unangenehm an, besonders, wenn es mehrmals hintereinander "hoppelt".
Unwillkürlich reagiert man dann mit einer Art "Hab-acht-Stellung" und frage sich: "Stimmt etwas nicht mit meinem Körper?"
Was genau sind diese Extraschläge, woher kommen sie, und was kann man tun, wenn sie einem auf die Nerven gehen?
Hat jeder von uns Extrasystolen?
Jeder von uns erlebt hin und wieder so einen Stolperschlag. Wir Kardiologen nennen sie Extrasystolen, und oft merkt man sie gar nicht. Tatsächlich ist es ein weit verbreitetes Phänomen: In den meisten Langzeit-EKGs, die wir auswerten, sind einige Extraschläge aufgezeichnet, ohne dass Beschwerden angegeben wurden.
Aber wir Menschen sind zum Glück sehr unterschiedlich. Manche Menschen bemerken jeden Stolperschlag – das kann lästig sein. Tröste dich dann mit dem Gedanken, dass ein feines Gefühl für den eigenen Körper bei der einen oder anderen Krankheit auch Vorteile haben kann, weil man früher bemerkt, wenn etwas nicht stimmt.)
Andere Personen bemerken nicht, wenn das Herz stolpert.
Welche Arten von Extrasystolen gibt es?
- Extrasystolen aus dem Vorhof: Diese Art von Extraschlägen ist fast immer harmlos.
- Ventrikuläre Extrasystolen: Sie gehen von der Herzkammer aus und sind meistens ebenfalls harmlos.
Für die ganz Interessierten:
Falls es dich interessiert, hier eine genauere Erklärung zu den ventrikulären Extraschlägen:
Diese Extraschläge werden oft auch im Hals oder im Bauch gespürt. Das liegt daran, dass bei einem normalen Herzschlag zuerst der Vorhof und dann die Herzkammer pumpt. Bei ventrikulären Extraschlägen läuft das jedoch anders ab: Erst pumpt der Vorhof, dann die Kammer, und dann noch einmal die Kammer – und zwar gegen die geschlossenen Klappen.
Was passiert dabei genau?
Die Klappen werden dabei wie ein Regenschirm, der im starken Wind umklappt, in die Vorhöfe gedrückt. Von den Vorhöfen schwappt das Blut über die großen Hohlvenen in den Hals und in den Bauch zurück. Dies kann sich wie ein Druck oder Pochen anfühlen, ist jedoch vollkommen harmlos.
Deshalb spüren manche Menschen den Stolperschlag im Hals oder im Bauch. Dieses Phänomen erklärt auch das Gefühl einatmen zu müssen, oder nicht richtig durchatmen zu können für eine Sekunde.
Bei den normalen Herzschlägen pumpt das Herz kräftig und gleichmäßig. Bei den ventrikulären Extraschlägen macht das Herz eine Schaukelbewegung. Die elektrische Erregung kommt nicht wie bei den Normalschlägen gleichzeitig in den Herzmuskelzellen an. Sondern der Stolperschlag beginnt an einer speziellen Stelle in der Herzkammer. Die Erregung breitet sich dann langsam Zelle für Zelle über das Herz aus. Daher pumpt erst die eine Seite und dann die andere. Durch diese Schaukelbewegung ist die Pumpfunktion nicht optimal und es wird oft weniger Blut ausgeworfen als bei einem Normalschlag. Das trifft natürlich auch dann besonders zu, wenn der Stolperschlag sehr frühzeitig einsetzt und das Herz noch keine Zeit hatte sich zu füllen.
Sind Extrasystolen gefährlich?
In den allermeisten Fällen nein. Wenige Extraschläge am Tag sind ganz normal und absolut harmlos.
Allerdings – und hier kommt der ernsthafte Part – wenn Extrasystolen mit anderen Herzbeschwerden auftreten, sollte das abgeklärt werden. Ein Termin beim Kardiologen kann klären, ob das alles nur halb so wild ist oder ob wir genauer hinsehen müssen.
Was macht der Arzt?
Der Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit dir und erstellt ein EKG. Gegebenenfalls werden auch ein Langzeit-EKG, eine Blutentnahme und eine Herzultraschalluntersuchung beim Kardiologen geplant.
Die Befragung
Zunächst fragt der Arzt genau, wann das Herzstolpern auftritt, wie oft es vorkommt, ob dir dabei schwindelig wird oder ob du sogar schon ohnmächtig geworden bist (von einfachen Extrasystolen wird man in der Regel nicht ohnmächtig). Er erkundigt sich, ob eine Infektion der Auslöser sein könnte, ob sonstige Erkrankungen oder Beschwerden vorliegen, ob es hormonelle Veränderungen gibt und ob es in der Familie Herzkrankheiten gibt.
EKG und Langzeit-EKG
Zur Abklärung von Herzstolpern wird ein Ruhe-EKG gemacht, und oft wird auch ein Langzeit-EKG über 24 Stunden angelegt, um die Extraschläge zu erfassen. Für das Langzeit-EKG werden kleine Elektroden an deiner Brust befestigt, die mit einem Gerät verbunden sind, das alle Herzschläge aufzeichnet. Später werden die Daten am Computer ausgewertet, und bei häufigem Auftreten von Extraschlägen wird deren Anteil in Prozent angegeben.
Blutentnahme
Bei Extraschlägen wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt, um nach Entzündungen zu suchen und die Schilddrüsenwerte zu überprüfen, da eine Schilddrüsenüberfunktion Extrasystolen begünstigen kann. Auch die Blutsalze wie Natrium und Kalium werden überprüft.
Herzultraschall
Wenn eine relevante Extrasystolie vorliegt, wird ein Herzultraschall durchgeführt, um zu prüfen, ob das Herz ansonsten gesund ist. Dabei können viele Erkrankungen erkannt werden, die Extraschläge verursachen können.
Herz-MRT
Sollte sich durch die bisherigen Untersuchungen kein eindeutiger Befund ergeben, kann ein Herz-MRT erwogen werden, bei dem angeborene Herzerkrankungen, Entzündungen oder Narben im Herzmuskel sichtbar gemacht werden können.
Durchblutungsstörungen ausschließen
Bei Risikofaktoren für Arterienverkalkung können weitere Tests durchgeführt werden, um eine Durchblutungsstörung auszuschließen. Sollte an einer Stelle die Blutversorgung beeinträchtigt sein, könnte sie mit einem Stent oder Bypass wiederhergestellt werden.
Wann sind Stolperschläge nicht harmlos?
In seltenen Fällen sind Stolperschläge ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung. Dann ist es wichtig, diese zu behandeln. Dies könnte eine Durchblutungsstörung, eine Entzündung der Herzwand (wie bei Sarkoidose) oder eine genetisch bedingte Erkrankung sein, die das Risiko für ernstere Rhythmusstörungen erhöht. In solchen Fällen wird die Grunderkrankung behandelt.
Es gibt jedoch auch die sogenannte idiopathische Extrasystolie, die ohne erkennbare Ursache auftritt. In seltenen Fällen kann auch diese unbehandelt zu einer Herzschwäche führen. Die Ursache dafür ist die ständige "Schaukelbewegung" des Herzens bei einer sehr hohen Anzahl an Extraschlägen.
Man geht davon aus, dass durch die häufigen Stolperschläge Umbauvorgänge am Herzen stattfinden können, die auf Dauer die Herzfunktion beeinträchtigen könnten. Dies betrifft vor allem Menschen, bei denen dauerhaft mehr als 16-20 % der Herzschläge als ventrikuläre Extrasystolen auftreten. Handlungsbedarf besteht erst dann, wenn etwa jeder fünfte oder sechste Schlag ein Extraschlag ist – was extrem selten ist.
Auch ist eine Behandlung nur dann notwendig, wenn diese hohe Anzahl an Extraschlägen über längere Zeit besteht. Gelegentlich findet man eine erhöhte Zahl von Extraschlägen zum Beispiel während eines Virusinfekts; ein leichter Schnupfen kann hier schon der Auslöser sein. Meist sind beim nächsten 24-Stunden-EKG die Extraschläge jedoch wieder auf einem unbedenklichen Niveau.
Was kann man gegen die Extraschläge tun?
Bei den wenigen, harmlosen Extraschlägen empfehle ich Folgendes:
Abwarten
Akzeptieren, Ablenken und Abwarten (Tee trinken und eine Netflix-Serie oder einen Tierfilm schauen zum Beispiel. Mein Favorit ist: Wohnungsputz starten, weil die leichte Bewegung auch die Extraschläge unterdrückt).
Kalium und Magnesium zuführen
Bei Kaliummangel eine Banane oder frisch gepressten Orangensaft zu sich nehmen (Kalium ist in Obst und Gemüse vorhanden). Magnesiummangel ist bei gesunder Ernährung selten, kommt aber bei Rauchern oder bei hoher Stressbelastung doch vor. Eventuell für eine Woche ein Magnesiumpräparat nach Anweisung einnehmen. Ich nehme die Magnesiumbrausetabletten aus dem Drogeriemarkt bei Bedarf. Hier lohnt sich sonst auch eine Beratung in der Apotheke.
Zigaretten weg
Ja, auch Rauchen begünstigt die Extraschläge. Es wäre so toll, wenn du ein glücklicher Nichtraucher würdest!
Kaffee meiden
Achte darauf, ob Kaffee bei dir der Auslöser für die Extraschläge ist. Dann müsstest du das Koffein meiden oder bei einer niedrigeren Kaffeedosis bleiben, falls du kleinere Mengen Kaffee verträgst.
Kein Alkohol
Bei manchen Menschen löst Alkohol die Stolperschläge aus. Wenn das bei dir auch so ist: Lass ihn weg! Auch das Gläschen Wein oder das Bier mit Freunden lieber nur gelegentlich genießen – das Herz mag es gerne ein bisschen ruhiger.
Schonkost
Es ist wirklich so, dass bei manchen Menschen immer nach einem richtig leckeren Festessen die Stolperschläge auftreten. Zum Beispiel an Weihnachten, wenn mit der Familie geschlemmt wird. Man isst ja dann auch ein bisschen mehr von der Festtagsente und der herrlichen Nusstorte. Das Ganze hat aber auch einen beeindruckenden medizinischen Namen: Das Roemheld-Syndrom, auch als "gastro-kardiales Syndrom" bekannt. Das Syndrom beschreibt eine interessante Verbindung zwischen dem Verdauungstrakt und dem Herzen. Der Vagusnerv ist ein großer Nerv, der vom Gehirn bis in den Bauchraum verläuft und dann einen Schlenker zum Herzen zurückmacht. Wenn der Magen oder der Darm gedehnt oder gereizt wird, wie es bei Blähungen oder Völlegefühl der Fall sein kann, wird dieser Nerv ebenfalls stimuliert. Eine solche Überreizung kann auf das Herz Einfluss nehmen und es aus seinem normalen Rhythmus bringen, was Extrasystolen auslösen kann.
Zum Glück sind die Extraschläge nach der Sahnetorte aber absolut ungefährlich.
Genug schlafen
Wenn wir wenig schlafen, dann tanzt auch das Herz gerne mal aus der Reihe.
Stress und Anspannung meiden
Wer hat heutzutage keinen Stress? Da habe ich leider auch kein Patentrezept dagegen. Aber der Stress ist eben ein echter Pulsbeschleuniger.
Auf hormonelle Schwankungen achten
Die monatliche Hormon-Achterbahn macht vor dem Herz nicht Halt. Bei manchen Frauen stolpert es besonders in der zweiten Zyklushälfte. Auch in einer Schwangerschaft treten durch die hormonellen Umstellungen gerne Extraschläge auf. Besonders in den Wechseljahren können diese zusätzlichen Herzschläge häufiger werden. Dann sollte das Thema auch mit dem Frauenarzt besprochen werden. Eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren kann die hormonbedingten Extraschläge mildern. Aber alle Medikamente haben Vor- und Nachteile, und eine Hormontherapie sollte gründlich und individuell mit dem betreuenden Frauenarzt abgewogen werden. Besonders, da die durch Hormonschwankungen ausgelösten Extraschläge harmlos sind.
Regelmäßige Bewegung im Alltag etablieren
Spazierengehen, Schwimmen, sanftes Training – alles, was dem Körper guttut, tut auch dem Herzrhythmus gut.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Medikamente
Meistens sind keine Medikamente gegen Extrasystolen erforderlich. In der Regel haben die Extraschläge keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, und jedes Medikament kann Nebenwirkungen haben.
Wenn die Stolperschläge jedoch so belastend sind, dass du sie nicht akzeptieren kannst, gibt es die Möglichkeit, Betablocker zu verwenden, die den Herzschlag ein wenig beruhigen. Heutzutage werden kardioselektive Betablocker eingesetzt, also Medikamente, die nur die Betarezeptoren am Herzen blockieren und dadurch relativ nebenwirkungsarm sind. Wenn Betablocker bei Herzrhythmusstörungen helfen, reichen oft schon sehr niedrige Dosen aus.
Nicht immer sind Betablocker wirksam. Bei besonders störenden Stolperschlägen kann dein Kardiologe auch andere Wirkstoffe mit dir ausprobieren.
Katheterablation
Wenn die Extraschläge große Probleme verursachen oder über längere Zeit in hoher Anzahl auftreten, kann eine Verödungstherapie (Katheterablation) in Erwägung gezogen werden. Diese Behandlung funktioniert, wenn die Extraschläge immer von derselben Stelle im Herzen ausgehen, sodass sie im EKG stets gleich aussehen.
Falls die Extraschläge im Ruhe-EKG und Langzeit-EKG aufgezeichnet wurden, kann ein Kardiologe, der auf Rhythmusstörungen spezialisiert ist, feststellen, ob die Extraschläge von der linken oder rechten Herzkammer ausgehen. Davon hängt die Planung des Verödungseingriffs ab. Anschließend wird der Arzt dir die möglichen Risiken und die Erfolgsaussichten der Therapie erläutern.
Bei der Verödungstherapie wird die Beinvene oder Arterie in der Leiste punktiert. Ein dünner Schlauch (Katheter), durch den winzige Instrumente zum Herzen vorgeschoben werden können, wird durch die Gefäße bis zum Herzen geführt. Zunächst identifiziert der Untersucher die Stelle, von der die Extraschläge ausgehen – dies ist die kathetergeführte elektrophysiologische Untersuchung des Herzens. Mit Hilfe von Radiofrequenzstrom kann der Katheter dann an der Zielstelle Hitze abgeben und das Herzmuskelgewebe veröden. Genau an der winzigen Stelle, von der die Impulse für die Extraschläge ausgehen, wird das Gewebe verödet. In vielen Fällen können die Extraschläge dadurch erfolgreich behandelt werden.
Keine Sorge – die Katheterablation ist wirklich nur in extremen Fällen nötig.
Kleine Überraschungen
Extrasystolen sind wie kleine Überraschungen, die das Leben für uns bereithält – kleine Richtungswechsel des tanzenden Herzens. Sie sind in der Regel kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen dafür, dass jede einzelne Herzmuskelzelle die Fähigkeit hat, einen eigenen Herzrhythmus zu generieren.
Und manchmal wollen die winzigen Zellen uns ihre besonderen Fähigkeiten einfach nur mal zeigen möchten.
Die Tangotänzerin schwingt ihr paillettenbesetztes Kleid. Spontan fügt ihr Partner eine ausdrucksstarke Bewegung hinzu, und genauso bringt auch die Extrasystole ein unvorhergesehenes Element in mein Herzgeschehen.
Ich hoffe das dieser Artikel auch dir hilft, einen guten Umgang mit den Stolperschlägen zu finden!




