Wenn du Bluthochdruck hast, wird dir dein Arzt möglicherweise Medikamente verschreiben. Diese helfen, den Blutdruck zu senken und das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Komplikationen zu vermindern. Hier sind die gängigsten Blutdruckmedikamente und wie sie wirken:
1. Mit welchen Blutdruckmedikamenten wird gestartet?
Bei der Blutdruckeinstellung wird dein Hausarzt dich ganz individuell beraten und einen Behandlungsplan erstellen, der genau auf dich zugeschnitten ist.
Wenn die Blutdruckwerte nur grenzwertig erhöht sind, empfiehlt dein Hausarzt dir einen gesunden Lebensstil und einige nicht-medikamentöse Maßnahmen, die wirklich den Blutdruck senken können. Du findest alles dazu hier: Was du selbst tun kannst um den Blutdruck zu senken.
Es gibt auch eine allgemeine Leitlinie (die sich immer mal wieder ändert, die neuste Version ist von August 2024), die ich euch hier vorstellen möchte.
Die neue Leitlinie der europäischen Gesellschaft für Kardiologie sagt, wenn Tabletten für den Blutdruck notwendig sind, dann soll gleich mit einer niedrig dosierten Kombination von zwei Medikamenten begonnen werden.
Das finde ich auch schlau. Man hat durch die Kombination gleich eine gute Wirksamkeit.
Dafür kann man wirklich geringe Dosen der Medikamente verschreiben, so dass meistens keine Nebenwirkungen auftreten.
Zwei aus Drei
Für die Anfangstherapie kombiniert man also zwei Wirkstoffe aus diesen drei Gruppen (Die Medikamentengruppen stelle ich euch unten ausführlich vor):
ACE-Hemmer (Wie Ramipril) oder ein Sartan (wie Candesartan)
Calciumantagonist (wie Amlodipin)
Diuretikum (wie Chlortalidon)
Drei aus Drei
Wenn die Zweier-Kombination nicht ausreicht, wird auf eine niedrig dosierte Dreier-Kombination umgestellt.
Dosis erhöhen
Reicht die niedrig dosierte Dreier-Kombination nicht aus, wird die Dosis erhöht.
Betablocker
Betablocker werden zur Blutdrucktherapie nur eingesetzt, wenn es einen speziellen Grund gibt: Nach einem Herzinfarkt, bei Herzschwäche, bei zu schneller Herzfrequenz, bei Rhythmusstörungen und bei Angina pectoris (Brustschmerz durch eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels). Oder als Reservemedikament, wenn die ausdosierte Dreierkombination nicht ausreicht.
Wenn drei nicht reichen
Falls der Zielblutdruck trotz aufdosierter Triple-Therapie nach 3 Monaten nicht erreicht werden, soll das Medikament Spironolacton in niedriger Dosis begonnen werden (Zusätzlich Spironolacton 25 mg 1 x täglich). Ich habe selbst oft die Erfahrung gemacht, dass bei schwer einstellbarem Blutdruck Spironolacton einen wirklichen Unterschied macht. ( Eplerenon kann als 2. Wahl in Betracht gezogen werden).
Übersicht über die häufigsten Blutdruckmedikamente
Hier habe ich für euch jetzt eine kurze Übersicht über die häufigsten Blutdruckmedikamente. Wer sich für die Geschichten interessiert, wie die Blutdruckmedikamente erfunden wurden, und wie im Verlauf Nebenwirkungen auffielen kann, das in meinem Blogpost Bluthochdruck bei Frauen nachlesen.
2. ACE-Hemmer (z.B. Ramipril, Enalapril):
Wirkung: Hemmen die Bildung von Angiotensin II, was die Blutgefäße erweitert und den Blutdruck senkt.
Ramipril senkt nicht nur effektiv den Blutdruck, sondern es reduziert das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und kardiovaskulärem Tod, besonders bei Patienten mit hohem Risiko.
Ramipril schützt die Nieren, insbesondere bei Patienten mit Diabetes oder chronischer Nierenerkrankung. Es verlangsamt das Fortschreiten von Nierenschäden, indem es den Blutdruck in den Nieren senkt und die Proteinurie (übermäßiger Proteinverlust im Urin) reduziert.
Gute Verträglichkeit: Abgesehen von dem möglichen Husten und seltenen Nebenwirkungen wird Ramipril in der Regel gut vertragen. Es hat eine lange Halbwertszeit, was bedeutet, dass es nur einmal täglich eingenommen werden muss,
Häufigste Nebenwirkungen: Als häufigste Nebenwirkung wird ein trockener Husten (wie ein Krümel im Hals) beschrieben.
Kontraindikationen: Schwangerschaft, schwere Nierenfunktionsstörung, Hyperkaliämie.
Wirkdauer: Die Wirkung setzt innerhalb von 1-2 Stunden nach Einnahme ein und hält 24 Stunden an.
Wenn Ramipril neu begonnen wird oder die Dosis erhöht wird, braucht es Tage bis Wochen bis die volle blutdrucksenkende Wirkung
2. Sartane/Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs) (z.B. Losartan, Valsartan):
Wirkung: Blockieren die Wirkung von Angiotensin II, was die Blutgefäße entspannt und den Blutdruck senkt.
Häufigste Nebenwirkungen: Schwindel, erhöhter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie), niedriger Blutdruck (Hypotonie), Kopfschmerzen, Müdigkeit.
Kontraindikationen: Schwangerschaft, schwere Nierenfunktionsstörung, Hyperkaliämie.
Wirkdauer: Die Wirkung beginnt innerhalb von 2-4 Stunden nach Einnahme und hält in der Regel 24 Stunden an, abhängig vom spezifischen Wirkstoff.
3. Calziumkanalblocker (z.B. Amlodipin, Verapamil):
Wirkung: Verhindern den Kalziumeinstrom in Muskelzellen der Blutgefäße und des Herzens, was zur Entspannung der Gefäße führt und den Blutdruck senkt.
Häufigste Nebenwirkungen: Schwellungen (Ödeme), Kopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsrötung (Flush), Verstopfung (besonders bei Verapamil), Müdigkeit.
Kontraindikationen: Herzinsuffizienz, niedriger Blutdruck (schwere Hypotonie), schwere Aortenstenose, bestimmte Herzrhythmusstörungen (insbesondere bei Verapamil und Diltiazem).
Wirkdauer: Amlodipin hat eine lange Halbwertszeit, die Wirkung hält etwa 24 Stunden an. Verapamil beginnt innerhalb von 1-2 Stunden zu wirken und hält etwa 6-12 Stunden an, abhängig von der Darreichungsform (kurz- oder langwirksam).
4. Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid, Hygroton, Furosemid):
Wirkung: Fördern die Ausscheidung von Salz und Wasser über die Nieren, was das Blutvolumen reduziert und den Blutdruck senkt.
Häufigste Nebenwirkungen: Elektrolytstörungen (z.B. niedriger Kaliumspiegel - Hypokaliämie), Dehydratation, Schwindel, erhöhter Blutzuckerspiegel (insbesondere bei Thiazid-Diuretika wie Hydrochlorothiazid), erhöhter Harnsäurespiegel (kann Gicht auslösen).
Kontraindikationen: Schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, schwerer Elektrolytmangel, Dehydratation.
Wirkdauer:Hygroton (Chlortalidon): Langwirksames Thiazid-ähnliches Diuretikum, Wirkungsdauer 24-72 Stunden.
Furosemid: Wirkungseintritt innerhalb von 30-60 Minuten (oral), Wirkungsdauer 4-6 Stunden.
Hydrochlorothiazid: Wirkungseintritt innerhalb von 2 Stunden, Wirkungsdauer etwa 12-18 Stunden.
5. Betablocker (z.B. Metoprolol, Bisoprolol):
Wirkung: Reduzieren die Herzfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzens, entlasten das Herz und senken den Blutdruck.
Häufigste Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, langsamer Herzschlag (Bradykardie), kalte Hände und Füße, Atembeschwerden (besonders bei Asthmatikern), depressive Verstimmungen, Schlafstörungen.
Kontraindikationen: Asthma oder schwere chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), schwerer Herzblock, Bradykardie, schweres Raynaud-Syndrom.
Wirkdauer:Bisoprolol: Wirkungseintritt innerhalb von 2-4 Stunden, Wirkungsdauer etwa 24 Stunden.
Metoprolol: Wirkungseintritt innerhalb von 1 Stunde, Wirkungsdauer 12-24 Stunden (abhängig von der Darreichungsform).
6. Spironolacton:
Wirkung: Ein Aldosteronantagonist, der das Hormon Aldosteron blockiert, wodurch die Ausscheidung von Natrium und Wasser gefördert und Kalium im Körper zurückgehalten wird. Dies senkt das Blutvolumen und den Blutdruck.
Häufigste Nebenwirkungen: Hoher Kaliumspiegel (Hyperkaliämie), Brustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie), Menstruationsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Schwindel.
Kontraindikationen: Hyperkaliämie, schwere Niereninsuffizienz, Addison-Krankheit, Schwangerschaft.
Wirkdauer: Wirkungseintritt innerhalb von 2-3 Tagen, maximale Wirkung nach etwa einer Woche, Wirkungsdauer etwa 24-48 Stunden.
Jedes dieser Medikamente hat seine eigenen Vorteile und möglichen Nebenwirkungen, und oft wird eine Kombination verschiedener Medikamente verwendet, um den Blutdruck effektiv zu kontrollieren. Dein Arzt wird dir das für dich am besten geeignete Mittel verschreiben.