Hypotonie (zu niedriger Blutdruck)

25.09.2024

In diesem Artikel geht es ausnahmsweise nicht um zu hohen Blutdruck.

Sondern um das Gegenteil: zu niedrigen Blutdruck.

In diesem Artikel erfährst du:

1. Wann niedriger Blutdruck wirklich ein Problem ist
2. Warum gerade Frauen häufiger betroffen sind
3. Was hinter typischen Beschwerden steckt
4. Was dir im Alltag konkret hilft
5. Wann du zum Arzt gehen solltest

6. Wenn du es genauer wissen möchtes

1. Wann niedriger Blutdruck wirklich ein Problem ist

Kennst du diesen Moment?

Du springst morgens aus dem Bett.
Gehst ins Bad.

Und plötzlich wird dir schwindelig.

Für einen kurzen Moment wird alles grau.
Du hältst dich am Waschbecken fest.

Und denkst:
"Was war das denn jetzt?"

Oder:

Du stehst im Supermarkt an der Kasse.
Es ist warm, stickig.

Dein Kreislauf sackt ab.
Dir wird flau.
Du willst einfach nur raus.

Viele Frauen kennen genau diese Situationen.

Und oft steckt dahinter:
niedriger Blutdruck.

Wann ist der Blutdruck zu niedrig?

Als Orientierung gilt:

unter 100/60 mmHg

Aber viel wichtiger ist:

Hast du Beschwerden – oder nicht?

Denn:

Ein niedriger Wert ohne Symptome ist meist völlig harmlos.
Ein leicht erniedrigter Wert mit Beschwerden kann belastend sein.

Typische Beschwerden – erkennst du dich wieder?

  • Schwindel beim Aufstehen
  • "Schwarzwerden" vor den Augen
  • Müdigkeit trotz Schlaf
  • Konzentrationsprobleme
  • kalte Hände und Füße
  • ein Gefühl von "nicht ganz da sein"

Manche Frauen sagen:
"Ich fühle mich wie in Watte."

2. Warum betrifft das so oft Frauen?

Das ist kein Zufall.

Frauen haben oft:

  • niedrigeren Blutdruck als Männer
  • feinere Gefäßregulation
  • stärkere hormonelle Schwankungen

Besonders betroffen sind:

  • schlanke Frauen
  • jüngere Frauen
  • Frauen in hormonellen Umbruchphasen (z. B. Wechseljahre)

3. Was hinter typischen Beschwerden steckt

Dein Kreislauf ist ein fein abgestimmtes System.

Wenn du aufstehst, muss dein Körper blitzschnell reagieren:

Blut wird gegen die Schwerkraft nach oben gepumpt.

Wenn diese Anpassung einen Moment zu langsam ist:

  • sackt der Blutdruck kurz ab

  • das Gehirn bekommt weniger Durchblutung

  • du wirst schwindelig

Das nennt man:

orthostatische Hypotonie

Und sie ist sehr häufig.

Warum passiert das?

Typische Situationen sind:

  • morgens im Bad

  • nachts beim Aufstehen

  • langes Stehen (z. B. beim Warten)

  • Hitze im Sommer

  • volle, stickige Räume

  • nach dem Essen

Viele Frauen merken:

"Es kommt immer in den gleichen Momenten."

Und genau das ist wichtig.

Was hilft dir sofort im Moment?

Wenn dir schwindelig wird:

1. Setz dich sofort hin oder geh in die Hocke
2. Wenn möglich: Beine hochlegen
3. Tief und ruhig atmen

Ein kleiner Trick:

Beine anspannen oder überkreuzen

Das hilft, das Blut zurück zum Herzen zu drücken.

In den meisten Fällen wird es innerhalb von Sekunden besser.

4. Was dir im Alltag konkret hilft

Hier geht es nicht um Perfektion –
sondern um kleine, wirksame Veränderungen.

Trinken – aber richtig

Viele Frauen trinken zu wenig

Ziel:
1,5–2 Liter täglich (bei Hitze mehr)

Tipp:
Starte den Tag direkt mit einem großen Glas Wasser.

Langsam aufstehen

Das klingt banal – wirkt aber enorm:

  • erst aufsetzen

  • kurz sitzen bleiben

  • dann aufstehen

Besonders wichtig:
nachts und morgens

Bewegung

Regelmäßige Bewegung stabilisiert den Kreislauf.

  • Spaziergänge

  • leichtes Training

  • Yoga

Dein Kreislauf liebt Bewegung – aber sanft.

Salz – oft unterschätzt

Bei niedrigem Blutdruck kann bei Gesunden manchmal etwas mehr Salz helfen.

z. B.:

  • Brühe
  • salzige Snacks
  • bewusst würzen

Aber:
immer individuell abstimmen (meist essen wir alle eher zu viel Salz)

Hitze ernst nehmen

Viele Frauen merken:

Im Sommer wird alles schlimmer

Warum?

Gefäße erweitern sich → Blutdruck sinkt

Deshalb:

  • viel trinken
  • Mittagshitze meiden
  • Pausen einlegen

5. Wann du zum Arzt gehen solltest

Wenn du:

  • häufig Schwindel hast
  • ohnmächtig geworden bist
  • dich unsicher fühlst
  • oder Medikamente einnimmst

Dann lohnt sich eine Abklärung.

Was dein Arzt überprüft

  • Blutdruck (auch über 24 Stunden)
  • Herzrhythmus (EKG)
  • Herzfunktion (Ultraschall)
  • Blutwerte (z. B. Schilddrüse)

Ziel ist fast immer: Entwarnung.

Ist niedriger Blutdruck gefährlich?

In den meisten Fällen:

Nein.

Tatsächlich gilt:

Niedriger Blutdruck ist oft sogar gefäßschonend.

Problematisch wird es nur, wenn:

  • du stürzt
  • du ohnmächtig wirst
  • oder dich die Beschwerden stark einschränken


Niedriger Blutdruck ist in den meisten Fällen harmlos – entscheidend ist, dass du deine Beschwerden einordnen kannst und weißt, wann du handeln solltest.


Ich wünsche mir,

dass du deinen Körper besser verstehst. Und nicht erschrickst, wenn dir einmal schwindelig wird.

Sondern weißt: "Ich kenne das – und ich weiß, was mir hilft."


Kleiner Selbsttest für dich:

Wann hat dein Kreislauf zuletzt "Pause gemacht"?

Wenn du magst, schreib es dir einmal bewusst auf –
oder teile es hier.

Wenn du mehr wissen möchtest

Hinter jedem Kreislaufproblem steckt eine Geschichte. Nicht nur Zahlen auf einem Messgerät. Sondern Momente im echten Leben. Hier findest du zwei solcher Geschichten und 

noch etwas Hintergrundwissen: 

Welche ernsthaften Erkrankungen niedrigen Blutdruck verursachen können und was ärztlich bei niedrigem Blutdruck abgeklärt wird.

Hier findest du 

  1. Sophias Geschichte: Hypotonie bei einer gesunden, jungen Frau

  2. Heides Geschichte: Niedriger Blutdruck trotz Bluthochdruck?

  3. Wenn der niedrige Blutdruck von einer anderen Erkrankung kommt

  4. was der Arzt bei niedrigem Blutdruck untersucht


1. Sophias Geschichte: 

Niedriger Blutdruck und Schwindel bei einer jungen, gesunden Frau

Sophia ist 18.

Kreativ, beweglich, voller Leben. Sie liebt Yoga, gestaltet Logos, lacht viel.

Und dann gibt es diese Momente, in denen ihr Körper einfach abschaltet.

Ohne Vorwarnung. Mitten im Alltag. 

Peinliche Situationen

Sophia hat in dem Regionalzug aus Berlin nur einen Stehplatz ergattert. Es riecht nach Schweiß und Bier in dem vollen Abteil. Nach 15 Minuten hört Sophia ein bekanntes Summen in beiden Ohren. Sie bewegt die Unterschenkel hoch und runter. Keine Besserung. Eine leichte Übelkeit kündigt sich an. Sie muss handeln!

Sophia setzt sich auf den dreckigen Boden neben die metallbeschlagenen Springerstiefel des punkigen jungen Mannes neben ihr. Sie lehnt ihren Kopf an die Wand und schließt die Augen einen Moment. Besser! Der Schwindel hatte ihr gesagt, dass sie sonst ohnmächtig werden würde.

Einfach auf den Boden gekracht

Das war ihr einmal bei einem Konzert passiert. Damals kannte Sophia die Vorzeichen noch nicht. Sie war trotz dem Rauschen und dem Schwindel stehen geblieben. Dann verschwamm die Bühne vor Sophias Augen und es wurde schwarz.

Die Security hatte die bewusstlose Sophia zu den Rettungskräften getragen. Sie war mit dem Kinn auf den Betonboden gekracht. Die Wunde benötigte drei Stiche, zum Glück war nichts gebrochen.

Am nächsten Tag hatte ihr Hausarzt den niedrigen Blutdruck als Verursacher der Ohnmacht festgestellt. Bei einer Blutentnahme und einer Untersuchung beim Herzspezialisten wurden andere Erkrankungen ausgeschlossen.

Wenn das Rauschen ertönt, muss Sophia sich in eine sichere Position bringen, hatte der Hausarzt erklärt. Ja, auch wenn sie ein weißes Sommerkleid trägt und der Zugboden dreckig ist. Egal, ob die ältere Damen misbilligend schaut!

An heißen Tagen fühlt sich Sophia sowieso oft wie eine wandelnde Schlaftablette.

Symptome, die Sophia begleiten:

  • Schwindel: Ein schneller Aufstieg vom Stuhl und zack! Schon tanzen die Sterne vor ihren Augen.
  • Müdigkeit: Auch nach acht Stunden Schlaf könnte Sophia an manchen Tagen ohne Probleme direkt wieder ins Bett fallen.
  • Konzentrationsprobleme: Wenn es im Büro um die Mittagszeit heiß und stickig ist, fällt es Sophia schwer, sich auf den Bildschirm zu konzentrieren.
  • Kalte Hände und Füße: Egal ob Sommer oder Winter – Sophias Hände fühlen sich oft an wie kleine Eiszapfen.

Aber was verursacht den niedrigen Blutdruck?

Für Sophia kann es viele Ursachen geben. Bei gesunden Menschen wie ihr kann Hypotonie oft durch einen niedrigen Blutvolumenspiegel oder genetische Veranlagung bedingt sein. Schlanke, junge Frauen sind besonders oft betroffen. Ein kleiner Trost: Der niedrige Blutdruck verliert sich meist, wenn man älter wird.

Sophias Survival-Guide gegen Hypotonie:

  1. Wasser, Wasser und noch mehr Wasser: Dehydration kann den Blutdruck noch weiter senken. Also trinkt Sophia fleißig Wasser – gerne auch mal eine extra Portion.
  2. Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft, den Kreislauf in Schwung zu bringen. Kleine Workouts am Morgen geben Sophia den nötigen Kick.
  3. Langsam aufstehen: Kein überhastetes Aufspringen, sondern schön langsam hochkommen, um den Schwindel zu vermeiden.
  4. Frühstück: Sophia, ein Frühstücksmuffel, trinkt morgens jetzt eine große Tasse grünen Tee und freut sich inzwischen sogar auf ihre Overnight-Oats mit Früchten.
  5. Mehr Salz! Meist essen wir alle eher zu viel Salz. Aber für Menschen, die zu niedrigen Blutdruck haben, obwohl sie wirklich genug trinken kann die extra Portion Salz einen großen Unterschied in der Lebensqualität machen. Salz kann auch den Blutdruck ankurbeln. Sophia hat jetzt immer ein Salzstreuerchen griffbereit.

Sophia hat akzeptiert, dass ihr niedriger Blutdruck gelegentlich Probleme macht. Aber mit ein paar Tricks und Kniffen kann sie ihr Leben trotzdem in vollen Zügen genießen – auch wenn sie sich dabei einmal auf den dreckigen Boden setzen muss.

2. Heides Geschichte: Bluthochdruck, aber Schwindel im Sommer

Heide ist 74 Jahre jung und richtig fit – jedenfalls meistens. Sie liebt Sommersonne, ihre Gartenlaube und Zitroneneis.

Seit 25 Jahren nimmt sie Blutdruckmedikamente ein.

Sommer, Sonne, Schwindel:

Aber mit den warmen Temperaturen im Sommer bemerkte Heide letztes Jahr, dass ihr öfter schwindelig wird, besonders wenn sie nach einem ausgedehnten Sonnenbad vom Liegestuhl aufsteht. Und nicht nur das, sie fühlte sich manchmal so müde, dass sie den Mittagsschlaf gleich noch um eine Stunde verlängerte. Als sie den Blutdruck misst liegt der bei 95/60mmHg!

Ursachen für Heides Hypotonie im Sommer:

Die Hitze sorgt dafür, dass sich Heides Blutgefäße erweitern, was den Blutdruck zusätzlich senkt. 

Heides Tipps für einen stabilen Blutdruck im Sommer:

  1. Medikamentenanpassung: Wenn auch bei dir im Sommer der Blutdruck absinkt, sprich mit deinem Arzt darüber, ob eine Anpassung der Medikamentendosis während der Sommermonate sinnvoll wäre.
  2. Hydration: Heide achtet darauf, genug zu trinken – am besten kaltes Wasser oder Kräutertees.
  3. Kühle Orte aufsuchen: An besonders heißen Tagen bleibt Heide lieber drinnen oder sucht sich ein schattiges Plätzchen im Garten.
  4. Langsames Aufstehen: Genau wie Sophia vermeidet Heide hastige Bewegungen, um Schwindelanfällen vorzubeugen.

Heide hat gelernt, ihren Blutdruck selbst im Blick zu behalten. Wie mit dem Hausarzt abgesprochen, reduziert sie inzwischen in der warmen Jahreszeit eigenständig die Blutdruckmedikation. Der regelmäßige Check beim Hausarzt und ein paar Vorsichtsmaßnahmen sorgen dafür, dass sie die warmen Monate in der Gartenlaube trotzdem genießen kann – ohne dass der Kreislauf aus der Bahn gerät.

3. Wenn der niedrige Blutdruck von einer anderen Erkrankung kommt

Sportler

Nein Sportler sind nicht krank. Aber:

Niedriger Blutdruck kann bei sportlich trainierten Menschen normal sein und macht dann meistens keine Probleme.

Infekte

Auch Infekte führen oft zu niedrigeren Blutdruckwerten. Besonders häufig tritt eine Hypotonie bei einem Magen-Darm-Infekt auf, wenn wir Flüssigkeit verlieren und weniger Flüssigkeit in den Blutgefäßen vorhanden ist (Hypovolämie).

Herz

Selten ist eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und sehr selten eine Wasseransammlung im Herzbeutel (Perikarderguss) die Ursache für den niedrigen Blutdruck.

Hormonstörungen

Auch Hormonstörungen können einen niedrigen Blutdruck verursachen, zum Beispiel bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Sehr selten ist eine Unterfunktion der Nebennierenrinde (Morbus Addison), die mit weiteren Symptomen und veränderten Laborwerten einhergeht.

Erkrankungen des Nervensystems 

Auch Erkrankungen des Nervensythems können manchmal, wie z.B. bei Morbus Parkinson zu schwankenden und auch niedrigen Blutdruckwerten führen.

Einnahme bestimmter Medikamente 

wie Blutdrucksenker, Wassertabletten oder Medikamente gegen Depression können manchmal niedrigen Blutdruck bedingen


4. Was macht der Kardiologe bei Hypotonie? 


Krankengeschichte erheben 

Zunächst erhebt der Arzt eine genaue Krankengeschichte, fragt nach den aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen. 

Dann folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der der Blutdruck an beiden Armen gemessen wird. 

24-Stunden-Blutdruckmessung: 

Bei dieser Untersuchung misst ein Gerät tagsüber alle 15 Minuten und nachts alle 30 Minuten den Blutdruck. So erhält man einen umfassenden Überblick über die Durchschnittswerte sowie über Ausreißer nach oben oder unten. 

EKG: 

Im EKG wird nach Rhythmusstörungen gesucht. Wenn Rhythmusstörungen als Ursache eines Blutdruckabfalls vermutet werden, wird auch ein Langzeit-EKG durchgeführt. 

Echokardiographie: 

Mit dem Herzultraschall kann der Arzt eine Herzschwäche ausschließen und überprüfen, ob das Herz bei jedem Schlag genug Blut auswirft. Klappenfehler und angeborene Herzerkrankungen können ebenfalls ausgeschlossen werden. Auch wird nach Wasser im Herzbeutel gesucht, das die Herzarbeit behindern könnte. Schließlich wird der Blutdruck im Lungenkreislauf abgeschätzt. 

Ergometrie: 

Bei der Belastungsuntersuchung wird die aktuelle Leistungsfähigkeit bestimmt und der Blutdruck sowie die Herzfrequenz unter Belastung und in der Erholungsphase gemessen. 

Schellong-Test: 

Beim Schellong-Test werden Blutdruck und Puls im Liegen und nach dem Aufstehen gemessen. Auffällig wäre ein starker Blutdruckabfall nach dem Aufstehen. 

Beratung 

In einem Abschlussgespräch informiert der Arzt über die Befunde und gibt Tipps zum Umgang mit dem niedrigen Blutdruck im Alltag, oder informiert welche weiteren Untersuchungen empfehlenswert sind.

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